Zeitgenosse Böll

Veröffentlicht am 28.12.2017 in Service

Heinrich Bölls publiziertes Werk umfasst nahezu genau die vier Jahrzehnte, in denen die alte BRD, die Bonner Republik, existiert hat: 1949, im Gründungsjahr, erscheint seine erste größere Erzählung (»Der Zug war pünktlich«), 1985 sein letzter Roman (»Frauen vor Flusslandschaft«), unverkennbar eine Art melancholischer Abgesang.

Das Riesenwerk, das Böll hinterlassen hat1 – neben Romanen, Erzählungen, Kurzgeschichten, Hörspielen eine Vielzahl publizistischer Arbeiten und Interviews – ist im Zusammenhang mit der höchst widersprüchlichen Entwicklung der westdeutschen Republik zu sehen. Böll selbst hat sein Schreiben als Ausdruck von Zeitgenossenschaft verstanden und dem damit verbundenen Anspruch zu genügen versucht, seine gesellschaftlichen Erfahrungen literarisch zu verarbeiten und darüber hinaus eine bestimmte Haltung, eine Schreibhaltung, zu entwickeln – etwas, was sonst allenfalls Heinrich Mann, Bert Brecht, Anna Seghers oder Peter Hacks gelungen ist. Wer ihn also liest und dabei die ganze Bandbreite seiner literarischen und publizistischen Produktion zur Kenntnis nimmt, taucht auch in die höchst umkämpften Phasen der BRD-Geschichte ein. Egal, wo man ansetzt, bei einer frühen Erzählung, einer Buchbesprechung, bei einem der bekannten (oder weniger bekannten) Romane, einer Reportage oder einem der aufschlussreichen späten Interviews, man wird schnell auf politische, gesellschaftliche oder kulturelle Problemzonen stoßen und auf die Haltung, die der Autor im jeweiligen Kontext eingenommen hat.
Quelle: junge Welt

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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