Wo der Drohnenkrieg der USA im Schatten tobt

Veröffentlicht am 20.09.2017 in Presse

In der Provinz Khost im Osten Afghanistans gehören Drohnenangriffe der USA seit 2001 zum Alltag. Tausende Menschen wurden so aus der Luft getötet. Die Befehle werden auch über die Basis Ramstein in Deutschland geleitet. Die Folgen im Land sehen wenige.

Abdul Hadis Haus liegt mitten in der Stadt Khost. Die Atmosphäre in dem Viertel ist laut und lebendig. Autos fahren die Straße entlang, Menschen schlendern zum Basar. Khost ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt im Osten Afghanistans an der Grenze zu Pakistan.
Eine rund vierstündige Autofahrt von Kabul ausgehend ist notwendig, um das Zentrum der Stadt zu erreichen. Früher war der Weg fast doppelt so lang. Doch in den letzten Jahren wurden neue Straßen gebaut, die die Reise erleichtern.
Als Abdul Hadi die Tür aufmacht, wirkt er schüchtern. Er serviert Tee und wundert sich, dass ihn jemand nur aufgesucht hat, um mit ihm über seinen Vater, Hajji Delay, zu sprechen.
Delay wurde im Mai 2014 durch einen US-amerikanischen Drohnenangriff getötet. Eine Hellfire-Rakete traf den Wagen Delays, der vollkommen ausbrannte – er und vier weitere Insassen waren sofort tot. Sie waren allesamt Zivilisten.
Wie viele Afghanen, die sich ein Auto – zumeist einen Toyota Corolla älteren Jahrgangs – leisten konnten, verdiente der 45-jährige Hajji Delay seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer. An jenem Tag war er mit seinem Fahrgästen auf dem Weg in den naheliegenden Distrikt Ali Sher.
Seit Beginn des NATO-Einsatzes im Jahr 2001 gehören Drohnenangriffe zum Alltag in Afghanistan. Tausende solcher Angriffe fanden seit jeher im Land statt. Laut dem Bureau of Investigative Journalism, einer in London ansässigen Journalisten-Gruppierung, die den US-Drohnenkrieg beobachtet, ist Afghanistan das „am meiste von Drohnen bombardierte Land der Welt“.
Wen die Drohnen töten, ist oft unbekannt
Die Drohnen, so heißt es, sind präzise Waffensysteme, die ausschließlich „Terroristen“ töten. Doch die Realität ist eine andere. In den allermeisten Fällen sind die Identitäten der Opfer völlig unbekannt.
Allein für den Zeitraum Januar 2015 bis August 2017 zählt das Bureau in London über 4.000 Todesopfer und über 260 getötete Zivilisten. Die absolute Mehrheit der Drohnenopfer bleibt unbekannt. Sie sind namen- und gesichtslos – und oftmals Zivilisten wie Hajji Delay.
2012 wurde bekannt, dass laut dem Weißen Haus jede männliche Person im „wehrfähigen Alter“ im Umfeld eines Drohnenangriffs als „feindlicher Kombattant“ gilt. Nach dieser Definition ist fast jeder Afghane, auch Abdul Hadis Vater, ein Terrorist.
Quelle: Deutschlandfunk Kultur

 

Anmerkung JK: Die Basis in Ramstein ist einer der wichtigsten Relaispunkte für den weltweiten Drohnenkrieg der USA. Hat man hierzu je ein Wort der Kritik von Merkel gehört, die ja so gerne die Trump-Gegnerin in der Öffentlichkeit mimt? Nein! Damit ist Merkel für jeden Drohnenmord mitverantwortlich.

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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