Wenn Indien der Kohle verfällt, sind wir dem Untergang geweiht

Veröffentlicht am 03.12.2014 in Umwelt

Die USA versprechen, ihre Emissionen bis 2025 um 26 bis 27 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken. China verspricht, die Emissionen ab dem Jahr 2030 nicht mehr ansteigen zu lassen. Die EU verspricht gar eine Reduktion um 40 Prozent.
Entscheidend wird aber sein, welches Angebot Indien als drittgrösster Produzent von Treibhausgasen macht.

Beim UNO-Klimagipfel Ende 2015 in Paris soll endlich ein neues bindendes Klimaabkommen vereinbart werden. Die Hoffnungen, dass nach den mehr oder weniger gescheiterten Gipfeln von Kopenhagen (2009), Cancún (2010), Durban (2011) und Doha (2012) endlich ein Nachfolger des Kyoto-Protokolls zur Reduktion der Treibhausgasemissionen ausgehandelt wird, sind zurzeit so hoch wie schon lange nicht mehr. Am G-20-Gipfel in Brisbane verkündeten die USA und China überraschend, sich auf gemeinsame Emissionsziele verständigt zu haben. «Kein Land ist immun, jedes Land hat die Verantwortung, seinen Teil beizutragen», sagte US-Präsident Barack Obama in Brisbane. Die Frage ist aber, welche Verpflichtungen die einzelnen Länder einzugehen gewillt sind. Die USA versprechen, ihre Emissionen bis 2025 um 26 bis 27 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken. China verspricht, die Emissionen ab dem Jahr 2030 nicht mehr ansteigen zu lassen. Die EU verspricht gar eine Reduktion um 40 Prozent.
Entscheidend wird aber sein, welches Angebot Indien als drittgrösster Produzent von Treibhausgasen macht. Bislang hat die indische Regierung nichts versprochen – und ihre jüngsten Beschlüsse lassen wenig Raum für Zuversicht. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, plant das Kabinett von Indiens Premier Narendra Modi, den Kohleabbau für internationale Konzerne zu öffnen. Zudem soll die von den Gewerkschaften protegierte, auf viel Handarbeit beruhende Produktion modernisiert werden. Den Kohleabbau fördern will die Regierung Modi dem Bericht zufolge zudem mit der Investition einer Milliarde Dollar in Bahnwagen und Infrastruktur zwecks Abtransport des Rohstoffs. Die Massnahmen machen den Kohleabbau interessant für internationale Konzerne wie die Giganten Rio Tinto und BHP Billiton. Umgekehrt versorgt er die indischen Kohlekraftwerke mit viel billiger Kohle. – Deutlich äusserte sich auch Indiens Energieminister Piyush Goyal. «Das für Indiens notwendige Wachstum darf nicht auf dem Altar in einigen Jahren allenfalls drohender Klimaveränderungen geopfert werden», sagte er laut der «New York Times» kürzlich an einer Konferenz in Delhi. «Der Westen wird anerkennen müssen, dass die Armen Bedürfnisse haben.»
Quelle: Tages-Anzeiger

 

Anmerkung Orlando Pascheit: Indien ist einfach etwas deutlicher als China, die Emissionen ab dem Jahr 2030 nicht mehr ansteigen zu lassen. In der Tat, wenn China bis 2030 seine Emissionen steigert und “Indien mehr und mehr der Kohle verfällt, sind wir dem Untergang geweiht”. Aber können wir den Entwicklungsländern ihre auf Energiezugang beruhende Modernisierung verwehren? Die Phantasie und die finanzielle Unterstützung der hochentwickelten Industriestaaten sind gefragt.

 

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Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
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