Wagenknecht und Lafontaine haben die Wähler verstanden

Veröffentlicht am 08.09.2018 in Bundespolitik

Wagenknecht und Lafontaine haben im Gegensatz zu vielen anderen in der politischen Linken verstanden, dass große Teile ihrer Klientel eine massenhafte Zuwanderung ablehnen. Das ist kein Wunder, denn die Verteilungskonflikte um Wohnungen, Jobs und Sozialleistungen treffen diese Bevölkerungsschichten am stärksten.

Wenn man SPD und Grünen zuhört oder manchen Zeitungs-Kommentar zur „Aufstehen“-Bewegung liest, muss man glauben, Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht wären besser in der AfD aufgehoben.
Der SPD-Politiker Johannes Kahrs analysierte kürzlich: Dass AfD-Chef Alexander Gauland das Linken-Paar aufgrund von Äußerungen zur Flüchtlingspolitik gelobt habe, zeige, „aus welcher Ecke beide kommen“. Das ist infam.
Wagenknecht und Lafontaine haben im Gegensatz zu vielen anderen in der politischen Linken verstanden, dass große Teile ihrer Klientel eine massenhafte Zuwanderung ablehnen. Das ist kein Wunder, denn die Verteilungskonflikte um Wohnungen, Jobs und Sozialleistungen treffen diese Bevölkerungsschichten am stärksten. Dass Menschen am unteren Ende der Einkommensskala häufig autoritäre Einstellungsmuster aufweisen, ist seit den 1950ern ein Klassiker der politischen Soziologie.
Einer der Wenigen in der SPD, die das verstanden haben, ist Sigmar Gabriel. Er kam auf dem Höhepunkt des unionsinternen Flüchtlingsstreits zu dem Schluss, dass viele Wähler von SPD und Linkspartei den Seehofer’schen Positionen weit näher seien als denen der Kanzlerin. Seien wir ehrlich: Es sind Lebenswelten, die vielen Politikern und Journalisten fremd sind.
Quelle: Saarbrücker Zeitung

 

 Der Autor meint am Ende seines Kommentars, dass die AfD ihr neoliberales Profil nach und nach abstreife. Das stimmt ja nun gerade nicht. Die Sozialstaatspartei völkischer Prägung hätte ein Höcke vielleicht gern, der stellt aber im Augenblick nicht die Mehrheit in seiner Partei, auch wenn er in den Medien ständig als eine bedrohlich und finster dreinblickende Gestalt präsentiert wird. Ganz vorn stehen immer nochl Gauland, Meuthen, Weidel und von Storch, die sich mit sozialpolitischer Programmatik eindeutig nicht beschäftigen wollen und dafür sorgen, dass derlei Vorstöße des Höcke-Flügels regelmäßig vertagt werden.

Die Partei, die von anonymen Großspendern lebt, hat natürlich auch kein sonderliches Interesse daran, hohe Vermögen zu besteuern. Im Bundestag lehnt die AfD wie ihre „Schwesterparteien“ CDU, CSU, FDP und Teile der SPD beispielsweise die Wiedereinführung einer Vermögensteuer ab. Albrecht Glaser, der für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte, bezeichnete in seiner ersten Rede im Bundestag am 18. Januar dieses Jahres einen Antrag zur Wiedererhebung der Vermögensteuer als „Mumpitz“. Er sprach weiterhin von einem „Dokument des real existierenden Sozialismus“ und von „Gruppendiskriminierung“. Die Vermögensteuer müsse seiner Meinung nach nicht nur ausgesetzt, sondern endgültig abgeschafft werden. Die „Schwesterparteien“ klatschten nicht laut, wohl aber im Geiste. Zum Schluss wetterte Glaser dann noch gegen den fetten Staat und warb für mehr private Altersvorsorge. Da kann man eigentlich nicht davon sprechen, dass diese Partei ihr neoliberales Profil abstreife.

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

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