Von der Würde des Menschen und des Alters! – Exportieren wir demnächst auch unsere pflegebedürftigen Senioren?

Veröffentlicht am 27.11.2012 in Senioren

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, ist im Artikel 1 unseres Grundgesetzes postuliert. Da steht nichts von jungen, leistungsfähigen, gesunden, weißen, deutschen, schönen Menschen, sondern ganz klar ist gemäß dem christlichen Menschenbild jeder Mensch gemeint und das aus gutem Grund.

Die gelebte Kultur einer Gesellschaft zeigt sich nicht in großen Reden, sondern wie man im Alltag mit den Schwachen, Kranken, Behinderten und den alten Menschen – die zuvor auch gesund und leistungsfähig waren – umgeht.
Die Bundesrepublik Deutschland – unser Land also – ist ein reiches Land und Jahr für Jahr werden durch den Fleiß der Menschen gewaltige Werte geschöpft. Die Steuereinnahmen erreichen in diesem Jahr ihren Höchststand und sehr vielen Menschen geht es wahrlich auch sehr gut!

Wir exportieren hochwertige Industriegüter, chemische Produkte, die besten Autos, komplexe Maschinen und Anlagen, Dienstleistungen, Energieerzeugungsanlagen bis hin zu Kraftwerken etc. in alle Länder dieser Erde – deutsche Qualitätsprodukte eben.
In Fortführung dieser erfolgreichen Situation haben im Land des Exportweltmeisters jetzt findige Leute – man könnte sie auch als kranke Gehirne bezeichnen – doch allen Ernstes vorgeschlagen, angesichts der hohen Pflegekosten im Land einen Teil der alten, kranken, pflegebedürftigen Menschen doch ebenfalls in sog. Billiglohnländer (Thailand, Bulgarien, Ukraine usw.) zu exportieren bzw. zu entsorgen.
Diese in Kosten-Leistungs-Rechnungen bestens geschulten Erfinder des Oma- und Opa-Exports sprechen von „alternativen Pflegemodellen“. Das ist gemein, bösartig, abartig und letztlich würdelos – einer wohlhabenden Kulturnation unwürdig.
Heribert Prantl hat hierzu in der Süddeutschen Zeitung geschrieben, nach diesen Vorschlägen des Greisen-Exports müsse ein Ruck der Beschämung durchs Land gehen.
„Die Zwangs-Entsorgung der Alten wäre ein Akt der Verrohrung der Gesellschaft. Ein Gemeinwesen, das solches plant, ist kein Gemeinwesen, sondern nur noch gemein“.

Unsere Kranken, Alten, Behinderten und Pflegebedürftigen
sind selbstverständlich integrativer Bestandteil unserer Gesellschaft –
sie gehören zu uns und auch wir sog. Gesunden hoffen, dass wir im
Falle der Hilfsbedürftigkeit die erhoffte Hilfe und Mitmenschlichkeit
finden. Ein 83-jähriger Pflegefall im Seniorenheim Doktorshof
hat als Mensch den gleichen Wert wie ein Mitmensch im Zenit seiner
Schaffenskraft – selbstverständlich und ohne jeden Zweifel!!

Es wird in den kommenden Jahren großer Anstrengungen bedürfen, um vor allem unseren pflegebedürftigen Menschen nach einer langen Phase der Arbeit ein würdiges Leben zu ermöglichen. Vor allem müsste man die Pflegekräfte für ihre schwere Arbeit anständig bezahlen und mehr Zeit für persönliche Zuwendung geben.

In unserer Gemeinde gibt es gottlob viele Mitbürgerinnen und Mitbürger – in aller Regel sind es Frauen – die ihre Angehörigen nicht selten über viele Jahre hinweg im Hause und damit in vertrauter Umgebung pflegen. Diese Leistungen sind großartig und bedeuten oftmals eine enorme persönliche und familiäre Belastung.

Deshalb habe ich mich in diesem Jahr sehr gefreut, als eine Bürgerin aus Berg für ihre respektablen Leistungen in der Pflege von Familienangehören mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet wurde. Sie hat es wahrlich verdient.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
das in einem Monat endende Jahr 2012 war für viele von uns ein wahrlich gutes Jahr mit vielen erfreulichen Erfahrungen und Begegnungen.
Für so manche unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger war das aber mitnichten so: Angehörige sind gestorben, Krankheiten beeinträchtigten die Lebensqualität, Ehe und Beziehungen sind unwiederbringlich zerbrochen, Depressionen, Überforderung minderten die Lebensfreude.

Ihnen darf ich am Ende des Jahres wünschen, dass möglichst bald wieder die Sonne in ihr Leben scheint und die Zeit des Unglücks überwunden werden kann.
Die körperlich und psychisch Kranken, die Mitmenschen mit Behinderungen, die Pflegebedürftigen und auch die mit dem Gesetz in Kollision geratenen Frauen und Männer sind und bleiben selbstverständlich unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Gemeinde Berg. Sie brauchen unsere Hilfe.

Ein menschliches Gemeinwesen beweist sich nicht durch große Sonntagsreden, sondern durch viele kleine Taten und Handlungen an den Werktagen des Lebens und diesbezüglich können wir alle wertvolle Beiträge leisten – an jedem Tag und an jedem Ort!

Ich darf Ihnen eine besinnliche Vorweihnachtszeit und unseren
Kindern ein wunderbares Weihnachtsfest wünschen.

Ihr

Helmut J. Himmler

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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