Von der Freude an billigen Lebensmitteln und den gar nicht erfreulichen Neben- und Langzeitwirkungen

Veröffentlicht am 16.04.2009 in Regionalpolitik

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wer im Ausland Lebensmittel einkauft wird stets feststellen, dass diese dort wesentlich teuerer sind. In Deutschland gibt es durch einen insbesondere von den Discounter-Märkten initiierten Kampf um Marktanteile sehr preiswerte und vielfältige Lebensmittel. Noch nie waren Lebensmittel im Verhältnis zum Einkommen der Menschen so preiswert bzw. billig. Doch diese Betrachtung ist nur ein Teil der Wahrheit, da der wirkliche Preis wesentlich höher ist und irgendwann auch beglichen werden muss.

Wir Deutsche sind in möglichst vielen Disziplinen gerne Europameister, wogegen an sich nichts einzuwenden ist. Wir halten auch den unangefochtenen und zweifelhaften Rekord, in Europa die Dicksten zu sein. Drei Viertel der Männer und zwei Drittel der Frauen sowie ein immer größer werdender Anteil der Kinder ist übergewichtig – ein alarmierender Anteil.

Völlerei, Übergewicht und der Verlust für das gesunde Maß sind immer Begleiterscheinung von Überfluss und Wohlstand mit der Folge von exorbitant steigenden Kosten für die Behandlung der Zivilisationskrankheiten. Eine Verschwendung ohnegleichen und damit Verlust von Ziel und Maß ist wohl auch, dass in Deutschland jährlich Lebensmittel im Wert von 500 Millionen Euro im Abfall landen – zugleich gilt eine Milliarde der Weltbevölkerung als unterernährt. Etwa zwölf Prozent des freien Einkommens gibt ein deutscher Haushalt für Nahrung aus, in der Nachkriegszeit war es mehr als die Hälfte. Wie ist dies möglich?

Die ärmsten Staaten der Erde leben äußerst bescheiden vom Export ihrer Agrarerzeugnisse in die wohlhabenden Industriestaaten und bekommen von der geballten Einkaufsmacht der Lebensmittelkonzerne keine fairen Preise, sondern letztlich Hungerlöhne bezahlt. Unser Vorteil ist demzufolge der Nachteil der ärmsten Menschen auf dem Globus. Die brutale Ausübung von Marktmacht erleben wir aber auch mitten unter uns, wo Erzeuger vor dieser Marktmacht in die Knie gezwungen werden. Unsere Bauern bekommen so wenig Geld für die erzeugte Milch, dass – sofern keine deutliche Preissteigerung eintritt – viele von ihnen aufgeben werden, auch bei uns in Berg!

Massenproduktion von Fleisch führt im Supermarkt zu einem Schweinefleischpreis von etwa drei Euro je Kilo und durch gewaltigen Einsatz von Dünger und Pestiziden wird aus dem Boden herausgeholt, was möglich ist – der Getreidepreis ist inzwischen da, wo er vor Jahrzehnten war! Nur – die Folge dieser Preisschlachten und von „billig und billiger!“ trägt die Allgemeinheit sowie nach uns kommende Generationen.

Die brachliegenden landwirtschaftlichen Flächen müssen von Landschaftspflegeverbänden kostenträchtig unterhalten werden und es droht der Verlust unserer Kulturlandschaft – damit auch zwangsläufig von Freizeit- und Naherholungswert. Die Folgeschäden von industrieller Landwirtschaft für die Umwelt können ebenfalls beträchtlich sein und werden von den kommenden Generationen bitter zu begleichen sein.
Daher ist die Freude über billige Lebensmittel nur eine halbe Freude. Lebensmittel mit hoher Qualität haben ihren Preis, der den Herstellern gegenüber fair und gerecht sein sollte. Ein Teil der Kosten für Lebensmittel steht nicht auf dem Preisschild bzw. dem Kassenbon, sondern wird irgendwann von der Allgemeinheit zu tragen sein. Eine solche Verfahrensweise ist weder tragbar noch verantwortbar bzw. nachhaltig.

Faire Preise für qualitativ hohe Lebensmittel werden am Bauernmarkt Berg bezahlt und das ist auch gut so. In diesem Sinne sollten wir Verbraucher auch höhere Milchpreise bezahlen, um unseren noch verbliebenen Milchbauern eine berechenbare finanzielle Basis zu schaffen, damit sie im Sinne von uns allen auch Landwirte bleiben können.

Die dümmlichen Werbesprüche „billig, billig“ oder „Geiz ist geil!“ sind vordergründig nett, längerfristig aber kein stabiles Fundament für eine ökonomisch, ökologisch und sozial funktionsfähige Gesellschaft. Vielen von uns ist nicht nur beim Konsum von Lebensmitteln, Waren, Finanzdienstleistungen etc. Maß und Ziel verloren gegangen – das muss und sollte aber nicht so bleiben!
Helmut J. Himmler

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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