Soll Schule Spaß machen oder Anmerkungen zur Mühsal des Lernens-Berg aktuell Sept. 2014-Der Kommentar des Bürgermeisters

Veröffentlicht am 27.08.2014 in Bildung

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

für Lehrer und Schüler enden schon bald die wunderbar langen und erholsamen Sommerferien und die arbeitende Bevölkerung war im zeitlich kürzeren Sommerurlaub ebenfalls um das Nachladen der mitunter bedenklich leeren Akkus bemüht.Im September geht es für alle wieder richtig los und wir bemühen uns um bestmögliche Pflichterfüllung – an welcher Stelle auch immer.

Die Absolventen unserer Schulen und Universitäten machen die wichtige Erfahrung, dass sie gebraucht werden und nunmehr muss das angehäufte Wissen im praktischen Leben umgesetzt und angewandt werden. Gute Arbeitsleistungen mit angemessenem Einkommen – angereichert mit wohl dosiertem Lob – schaffen Selbstbewusstsein, Anerkennung und letztlich Selbstwert. Das brauchen wir Menschenwesen auch – egal ob im Kindesalter oder im Dasein eines betagten Menschen.

Das pädagogische Personal und die Schülerinnen und Schüler gehen mit neuer Zuversicht und mit Elan das neue Schuljahr an. Dabei gibt es einige Missverständnisse, welche der Klärung bedürfen.
Lehrer haben eine große Aufgabe und Verantwortung gegenüber den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen und das ist ihnen auch bewusst. Die Schulkarriere und damit die künftigen Lebenschancen eines Individuums sind in hohem Maße abhängig von den Lehrerinnen und Lehrern, denen man begegnet – oder ausgeliefert ist.

Daher muss man von pädagogischem Personal (Kindergarten, Grundschule, Mittelstufe und Oberstufe) einfach erwarten, dass sie ihr Bestes im Interesse ihrer Schüler geben und ein positives Weltbild vermitteln – Zuversicht eben!

Lehrer sind aber gewiss nicht die Therapeuten und Sozialklempner einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft. Mit dieser Aufgabe wäre jeder pädagogische Herkules überfordert.
Mit Geburt der eigenen Kinder ist auch für Eltern die unaufschiebbare Verpflichtung verbunden, das Beste für das Leben und die Entwicklung ihrer Kinder zu geben.
Lehrer sind keine Showmaster im Unterrichtsbetrieb, die im Stile aufwendiger Unterhaltungssendungen alle paar Minuten Gags liefern müssen, um die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler auf erträglichem Niveau zu halten.
Es ist schön und großartig, wenn Lernen Kindern Freude bereitet oder sogar Spaß macht. Die Regel im mitunter drögen Alltagsunterricht ist das aber nicht und kann es auch nicht sein.

Für so manche schlaue Mädels und Jungs ist Schule vor dem Hintergrund ihrer geistigen Potentiale eine lockere Übung und diese Schülerinnen und Schüler werden unabhängig von den ihnen zugeordneten Lehrern ihren Weg erfolgreich gehen. Für einen erheblichen Teil unserer Kinder ist Schule aber immer wieder Mühsal, Übung, Quälerei, Hartnäckigkeit, Frustration usw. – mithin also mit wenig Spaß verbunden.
So ist für die meisten Menschen aber das ganze Leben und es hat durchaus Vorteile, wenn Kinder bereits in sehr jungen Jahren mit diesen Unannehmlichkeiten des Lebens und Lernens konfrontiert werden.

Gottlob bringen unsere Kinder und Jugendlichen ein hohes Maß an Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft mit, da sie die sog. Arbeitstugenden bei den Eltern erleben bis hin zur Erkenntnis, dass die Möglichkeit des eigenen Lebens meistens in den eigenen Leistungen begründet sind.
Die Phase der spielerischen, unbeschwerten Kindheit wird leider immer kürzer und die Leistungsgesellschaft reicht mit ihren Anforderungen inzwischen weit in die Kindheit hinein. Schön ist das nicht, da Kinder zwangsläufig mit Leistungsdruck und permanenter Anstrengungsbereitschaft konfrontiert werden – an welcher Schule auch immer!
Man würde aber Kindern und Jugendlichen im Sinne ihrer Lebenschancen mithin keinen Gefallen tun, ihnen einen spielerischen Schonraum zu verschaffen.

Der Materialismus, die Konsum- und Lebensstandardgesellschaft prägen sehr weitgehend unser Leben und stellen ihre Anforderungen – ob einem das gefällt oder nicht!
Wir leben in einem freien Land und der liberalsten Gesellschaft, die es jemals in Deutschland gegeben hat und wir Bürgerinnen und Bürger können unser Leben nach unseren eigenen individuellen Lebensentwürfen gestalten.
Diese garantierten Rechte korrespondieren aber mit inzwischen hohen Ansprüchen an die Bürgerinnen und Bürger in der Arbeits- bzw. Leistungsgesellschaft.

Daher mein banaler, aber dringender Rat:
Kümmern wir uns gemeinsam um die Zukunft, das Leben und die Zukunftschancen unserer Kinder! Auch kommende Generationen – unsere Kinder, Enkel, Urenkel etc. also – sollen selbstverständlich auch ein gutes Leben haben.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich grüße insbesondere unsere
Kinder, die demnächst den Kinder-
garten besuchen sowie unsere
ABC-Schützen!
Viel Freude auch den Lehrern und
Erziehern im neuen Kindergarten-
und Schuljahr!

Lasst uns im September reichlich
die noch starken Sonnenstrahlen
eines milden Herbstes sammeln,
bevor die kühleren Monate wieder
Einzug halten.

Ihr

Helmut J. Himmler

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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