Shell-Jugendstudie:Nur wohlhabende Kinder leisten sich Optimismus

Veröffentlicht am 15.09.2010 in Jugend

Die Shell-Jugendstudie zeigt: Der Nachwuchs nimmt seine Zukunft frohgemut und engagiert in die Hand. Doch leider nur die Privilegierten.
Die “Abgehängten”, wie Studienleiter Mathias Albert sie nennt, sind inzwischen weitaus weniger zuversichtlich, wenn es um ihr weiteres Leben geht.

Shell-Jugendstudie 2010: Die Ideenlosigkeit einer Ministerin
Die Shell-Jugendstudie belegt: Die Jugend ist mal wieder besser als ihr Ruf. Probleme gibt es trotzdem. Ministerin Schröder, die sie lösen müsste, hat keine Rezepte gegen die Perspektivlosigkeit, die Jugendliche aus bestimmten Milieus erleben. Trotz aller Widrigkeiten hat sich der Anteil der optimistischen Jugendlichen um neun Prozentpunkte auf 59 Prozent gegenüber der vorangegangenen Studie aus dem Jahr 2006 erhöht.Alles im Lot also? Mitnichten. Die größte Jugendstudie in Deutschland belegt auch: Optimismus zeigen zunehmend eher die, die ihn sich leisten können. Die “Abgehängten”, wie Studienleiter Mathias Albert sie nennt, sind inzwischen weitaus weniger zuversichtlich, wenn es um ihr weiteres Leben geht. Hinter den “abgehängten Jugendlichen” verbergen sich etwa zehn bis 15 Prozent aller Jugendlichen, sie stammen zumeist aus sozial benachteiligten Familien. Bei ihnen weisen die statistischen Daten in fast allen Belangen auf eine düstere Zukunft hin. In der Regel haben sie eher schlechte Bildungsabschlüsse, verbringen viel Zeit mit Computerspielen, kümmern sich zu wenig um echte soziale Beziehungen.
Das Problem der abgehängten Jugendlichen ist nicht neu. Seit Jahren weiß die Politik nichts mit ihnen anzufangen.Bundesfamilien- und heute vor allem Jugendministerin Kristina Schröder, selbst erst seit acht Jahren der befragten Alterskohorte entwachsen, müsste darauf schon von Amts wegen Antworten geben. Die CDU-Frau ist ja auch eigens in die Bundespressekonferenz geeilt, um die Studie zu präsentieren. Schröder aber nutzt die Pressekonferenz vor allem, um Werbung für ihre aktuelle Politik zu machen. Und die hat wenig mit Jugendlichen zwischen zwölf und 25, aber viel mit Kleinkindern zu tun. Ja, da gebe es Probleme bei sozial benachteiligten Jugendlichen. Aber deshalb habe sie ja dafür gekämpft, dass ihr kein Geld für den Ausbau der Kinderbetreuung gestrichen werde. Und über die Aufweichung des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz für unter Dreijährige sei “nicht mit mir zu reden”. Gegen die Perspektivlosigkeit mancher Jugendlicher setzt sie ein 400-Millionen-Euro-Programm, mit dem an bundesweit 4000 Schwerpunkt-Kindergärten Halbtagsstellen für frühkindliche Bildung geschaffen werden sollen. Was von all dem die Jugendlichen von heute haben, sagt sie nicht. Das mag damit zusammenhängen, dass sie ihnen nicht sonderlich viel anzubieten hat.
Quelle: Süddeutsche

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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