Rentendebatte im Sommer 2010 – Absurdistan in Deutschland

Veröffentlicht am 24.08.2010 in Senioren

In den Printmedien und im Fernsehen schwadronieren Leute, die sich für ungemein schlau halten und die sich ex cathedra als Elite unseres Landes definieren, dass das Renteneintrittsalter künftig bei 67, 70 oder gar bei 75 Jahre liege müsste. – AHA!
In aller Regel ist dies das Gequatsche von Leuten, die lebenslang am Schreibtisch sitzen – sofern sie überhaupt arbeiten – und keine Ahnung von den Langzeitfolgen körperlicher Arbeit haben.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in den letzten Wochen hat sich die geballte Intelligenz unseres Landes wieder einmal und ganz vehement in Sachen Demographie und Rentenniveau zu Wort gemeldet. Noch dazu gehen diese Schlaumeier nicht selten vor dem 60. Lebensjahr und mit hohen Abfindungen („Goldener Handschlag“) in den Ruhestand.

Eine repräsentative „Stern-Umfrage“ unter Bundesbürgern im August erbrachte folgende Ergebnisse:
• Lediglich eine Minderheit von sieben Prozent der Deutschen kann sich eine Arbeitszeit bis zum 67. Lebensjahr vorstellen.
• Nur ein Prozent hält die Rente ab dem 70. Lebensjahr für richtig.
• 38 Prozent der Deutschen sprechen sich für die derzeit gültige Regelaltersgrenze von 65 Jahren aus.
• 21 Prozent bezeichnen 62 Jahre als ideal, 24 Prozent würden sich den Eintritt in den Ruhestand mit dem 60. Lebensjahr wünschen.

Für nicht völlig abgehobene und an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientierte Bürger sind diese Ergebnisse gewiss auch verständlich. Nach einem langen und beanspruchenden Arbeitsleben fühlen sich die meisten Berufstätigen eben ausgebrannt, ausgelaugt und körperlich hart arbeitende Menschen haben nach dem 50. Lebensjahr oftmals mit gravierenden körperlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen. Gerade diese Bürger müssen das ahnungslose Gerede vom Rentenalter 70 geradezu als Verhöhnung ihrer Situation empfinden.

Darüber hinaus ist Teil der Wirklichkeit am Arbeitsmarkt, dass Arbeitssuchende über 50 Jahre kaum noch vermittelt werden können. Die Politik hat die natürliche Schlauheit ihrer Bürgerinnen und Bürger sträflich unterschätzt. Selbstverständlich haben die Menschen sehr rasch erkannt, dass es eigentlich nicht um Berufstätigkeit bis 67 oder gar 70 geht, sondern dass diese Marke gesetzt wird, um entsprechend hohe Abschläge zu berechnen, wenn die Bürger nach wie vor wesentlich früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

In Bayern bekommt ein männlicher Rentner durchschnittlich 983 Euro im Monat, bei Frauen sind es knapp 500 Euro. Das ist der letzte Platz in Deutschland und die traurige Wirklichkeit. Am höchsten sind die Durchschnittsrenten im Saarland und in Nordrhein-Westfalen, also den ehemaligen Bergbauregionen.

Es hängt nur marginal von der Lebenserwartung der Menschen ab, welches Rentenniveau in Zukunft finanziert werden kann. Wesentlich sind die Produktivität der Ökonomie, die Höhe der Arbeitseinkommen und das Beschäftigungsniveau.

Die Politik hat es nicht nur zugelassen, sondern aktiv gefördert, dass immer mehr arbeitende Menschen im Niedriglohnbereich tätig sind, in Leiharbeit, Zeitarbeit, Minijobs, Praktika, Ein-Euro-Jobs etc. gedrängt wurden.
Dadurch gehen den Sozialkassen die nötigen Einnahmen verloren und mehr noch – wir Steuerzahler haben inzwischen 50 Milliarden Euro an Arbeitnehmer bezahlt, welche so niedrige Arbeitseinkommen haben, dass sie davon nicht leben können und sog. Aufstockerleistungen im Rahmen von „Hartz IV“ erhalten müssen. In Wirklichkeit haben wir Unternehmen subventioniert, welche ihren Mitarbeitern die angemessene Entlohnung verweigern.

In Deutschland sind inzwischen sechs Millionen Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich tätig. Dies ist ein Skandal ohnegleichen und eine ähnlich deprimierende Quote wird nur in den USA erreicht.

Kurzum – die Erhöhung des Rentenalters auf 67 oder 70 Jahre löst gar nichts.

Wir brauchen in unserem Land die Rückkehr zur „Sozialen Marktwirtschaft“!

Diese ist gekennzeichnet durch Sozialpartnerschaft zwischen Arbeit und Kapital – Fairness eben.

Gute Löhne für gute Arbeit – eigentlich banal!

Nebenbei bemerkt: gute Rentenpolitik ist immer auch Familienpolitik. Weder horten die Rentner ihr weniges Geld, noch verprassen sie es in der Südsee. Nein – sie geben es in aller Regel ihren Kindern und Enkeln und helfen damit ihren Familien.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
geht es Ihnen auch so, dass Sie diese sog. Experten im Fernsehen und deren gepeitschten verbalen Quark nicht mehr ertragen können? Diese selbsternannten Schlaumeier reden von einem Volk und einer Lebens- und Arbeitswirklichkeit, das bzw. die sie nicht wirklich kennen.

Der Sommer, der vor allem im August nicht wirklich einer war, geht nunmehr stetig in den Herbst über. Daher darf ich Ihnen viele angenehme und warme Herbsttage wünschen. Sammeln wir Sonnenstrahlen für den Winter!

Gerade vor dem Hintergrund der unsäglichen Rentendiskussion möchte ich insbesondere die Ruheständler in unserer Gemeinde herzlich grüßen.
Sie haben viel geleistet in Ihrem Leben und daher gebührt Ihnen der Dank und Respekt der Jüngeren.

Ihr

Helmut J. Himmler

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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