Quoten-Sekte: ZDF-Journalist übt Medienkritik

Veröffentlicht am 04.11.2015 in Veranstaltungen

Herles lässt nichts aus, was ihm am öffentlich-rechtlichen Sender der „Quotenjunkies“ aufgestoßen ist: die Hofberichterstatter (Berichte über CDU-Parteitage als „C-Dur Feldgottesdienste zu Ehren der heiligen Angela“ gestalten), Talkshow-Clowns („Patentschwätzer, bei denen der Anzug oft besser sitzt als die Gedanken“), Skandal- und Alarmschreier („in der Katastrophe ist das Medium ganz bei sich“).

Der TV-Journalist Wolfgang Herles geht in Pension. Zum Abschied vom ZDF hat er dem Sender ein stacheliges Stück Medienkritik überreicht: Die Gefallsüchtigen. Herles lässt nichts aus, was ihm am öffentlich-rechtlichen Sender der „Quotenjunkies“ aufgestoßen ist: die Hofberichterstatter (Berichte über CDU-Parteitage als „C-Dur Feldgottesdienste zu Ehren der heiligen Angela“ gestalten), Talkshow-Clowns („Patentschwätzer, bei denen der Anzug oft besser sitzt als die Gedanken“), Skandal- und Alarmschreier („in der Katastrophe ist das Medium ganz bei sich“). Die Politik läuft nach Angela Merkels einzigem Kompass – den Umfragewerten. 2009 bis 2013 hat allein das Bundespresseamt 600 Umfragen in Auftrag gegeben.
Herles beginnt mit dem Quotenfetischismus. Die Quote ist der Gessler-Hut, vor dem sich alle verneigen – so als ob Zahlen für Qualität bürgten. „Kampflos ergibt sich das ZDF der Diktatur der Quote.“ Die Quote misst nur das Gefallen, und wer in den Medien an Quoten glaubt, gehört für Herles ebenso zu den Gefallsüchtigen wie jene Programmdirektoren, Rundfunkräte, Politiker etc., die sich an Umfragen ausrichten. Medien und Politikern – den „gefallsüchtigen“ Zwillingen – liegt nichts ferner als Kritik, Provokation und Aufklärung. Medien und Politiker folgen der „Macht des Marktes“, die Konsumtrends, Lebensstile, Einstellungen und Wertorientierungen erzeugt. Ergebnis: Homogenisierung, Konformismus und Seichtigkeit rundum. Das Programm verkommt bei fast allen Sendern zum platten Unterhaltungsprogramm.
Die Qualitätskrise hat nicht nur das Gebührenfernsehen erfasst, das – so Herles – „ohne großen Verlust für die Gesellschaft abgeschafft werden könnte“, sondern auch Privatsender und Printmedien. Die Privatsender wirkten in vieler Hinsicht als Trendsettter im Wettstreit um die qualitative Niveausenkung, in dem sich die öffentlich-rechtlichen Sender nicht abhängen lassen wollten und nach Kräften mithielten. In den Printmedien endete der Kampf um die Mitte beim „Abschreiben und Fremddenkenlassen“ (Ulrich Jörges) in einem allgemeinen Konformitätsdruck. Im Online-Journalismus kommt der Zeitdruck hinzu, der die Qualität zusätzlich senkt. Verheerend wirken sich auch kostensparende Kooperationsdeals zwischen vormals linksliberalen und konservativen Zeitungen aus.
Quelle: der Standard

 

Kommentare

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Reading Barosso's comments on a UK Referendum yestardey made me sick. We will be out at the first opportunity.No commentary on the Italian election results make any mention of democracy. I can't wait for this HORRIFIC EXPERIMENT to end and for those responsible to go on trial for political subversion.Bring it on. And well done Italy for such a magnificent protest vote!

Autor: Ryan, Datum: 25.12.2015, 19:14 Uhr


Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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