Pharmaindustrie-wenn Forschung der Werbung dient

Veröffentlicht am 07.11.2010 in Gesundheit

Transparency International und Kassenärzte wenden sich gegen Auftragsstudien der Pharmaindustrie. Für die Korruptionswächter handelt es sich um nichts anderes als eine „legalisierte Form der Bestechung“.

Sogenannte Anwendungsbeobachtungen von Arzneimitteln durch praktizierende Ärzte müssten gesetzlich verboten werden, forderte Transparency International am Donnerstag. Sie brächten keinerlei wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, trieben die Arzneikosten in die Höhe und gefährdeten die Patienten, sagte Vorstandsmitglied Wolfgang Wodarg.

Bis zu 1,2 Milliarden Euro ließen sich die Pharmahersteller diese Pseudo-Studien kosten, um neue Medikamente in den Markt zu drücken, berichtete der Mediziner und frühere SPD-Abgeordnete. Sie seien damit „für mehr als 0,1 Beitragssatzpunkte verantwortlich“ – die teuren Folgeverordnungen noch gar nicht eingerechnet. Für das Umstellen der Medikation, oft ohne hinreichende Information der Patienten, und das Ausfüllen banaler Formulare erhielten die teilnehmenden Mediziner „Kopfgelder“ von bis zu 2500 Euro. Dies sei nicht nur ethisch bedenklich, weil Ärzte aus finanziellen Gründen die Gesundheit ihrer Patienten mit dem Wechsel auf oft noch nicht genügend erprobte Arzneimittel riskierten, kritisierte Wodarg. Das „gefährliche Marketing-Instrument“ Anwendungsbeobachtung trage auch nicht unmaßgeblich zur „kontinuierlich steigenden Unwirtschaftlichkeit und Unzweckmäßigkeit medikamentöser Behandlungen“ in Deutschland bei.
Der Tagesspiegel, 4.11.2010

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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