Nach rechts: Kleinbürgertum in Abstiegsangst

Veröffentlicht am 27.11.2015 in Bundespolitik

Zur AfD strebt eine von sozialem Verlust sich bedroht fühlende Mittelschicht, die aggressiv gegen Migranten und Flüchtlinge Front macht.

  1. Vor ein paar Tagen sorgte eine Schlagzeile für Aufsehen: Die Rechtspartei AfD wurde in einer Umfrage als drittstärkste Kraft ausgewiesen. Die Kritik daran folgte umgehend: Das Institut, das die Daten erhoben hatte, wurde als AfD-nah charakterisiert, es wurden methodische Zweifel an den Zahlen laut. Ist also alles doch nicht so schlimm mit der Partei? […]
    Wenn man es etwas grob formulieren will: Zur AfD strebt eine von sozialem Verlust sich bedroht fühlende Mittelschicht, die aggressiv gegen Migranten und Flüchtlinge Front macht. Ein absteigendes Kleinbürgertum, das von der Regierung gar nichts hält – aber genauso wenig von Arbeitskämpfen, da ist man sich mit dem Klientel der Großen Koalition einig. Es gibt gute Gründe, dieses Potenzial nicht durch Überbetonung von Umfragen »hochzuschreiben«, an denen Zweifel berechtigt sind. Aber das Problem sind nicht die Umfragen.
    Karl Marx hat einmal geschrieben, in Deutschland bilde das »Kleinbürgertum die eigentliche Grundlage der bestehenden Zustände«. Man muss das als sehr aktuelle Warnung verstehen. Anders formuliert: Es ist nicht so wichtig, wie die AfD gerade in Umfragen dasteht, wenn sie – weil von CSU bis SPD dafür viel getan wird – die Agenda diktieren kann.
    Quelle: Tom Strohschneider, Neues Deutschland
 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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