Koalitions-EHEC in Berlin

Veröffentlicht am 13.06.2011 in Bundespolitik

Es fehlt nur noch, dass Angela Merkel den neuen FDP-Chef vor einer Kabinettssitzung auffordert: “Philipp, holen Sie schon mal den Kaffee und die Kekse”. --Michael Sprend, Sprengsatz

Selten hat eine Kanzlerin ihren Vizekanzler und ihren Koalitionspartner so marginalisiert wie Merkel Philipp Rösler und die FDP. Koch und Kellner. Dagegen war Gerhard Schröder ein netter, kooperativer Kerl.

An der Atomkehrtwende durften Rösler und seine Partei nur noch als Zuschauer teilnehmen, aber nicht mehr mitspielen. Und am Ende mussten sie ihrer Marginalisierung noch per Kabinettsbeschluss zustimmen.

Die neuen Mitspieler der Kanzlerin sind die SPD und – so hofft sie – die Grünen. Deshalb werden die Demütigungen Röslers auch den Medien durchgestochen. Die Botschaft der Kanzlerin ist unmissverständlich: Die FDP habe ich abgeschrieben. Merkel glaubt offenbar nicht an einer Wiedergenesung der schwer erkrankten FDP und will sich von dem Koalitions-EHEC nicht infizieren lassen. Stichwort Gurkentruppe.

Merkel setzt ganz auf SPD und/oder Grüne – frei nach dem alten Sponti-Motto: Ich habe 2013 keine Chance mehr, also nutze ich sie. Sie hat nichts mehr zu verlieren: Entweder geht sie 2013 unter oder sie führt ihren Kanzlerinnenwahlverein in eine neue große Koalition oder ein schwarz-grünes Bündnis. Mit der FDP ist 2013 sowieso keine Regierung mehr zu machen.

Für die SPD hat die Kanzlerin noch vor 2013 den gesetzlichen Mindestlohn im Köcher. Wer schon so viele Positionen aus Machterhalt geräumt hat, bei dem kommt es auf eine mehr oder weniger nicht an.

Und wenn die FDP bei diesem Spiel untergeht, dann kann sie sich 2013 auch nicht an einer Ampelkoalition beteiligen. Eine Option gegen Merkel weniger.

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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