Immer mehr Privatschulen - gut für das Bildungswesen?

Veröffentlicht am 29.08.2008 in Bildung

In manchen Gegenden unseres Landes, besonders in Regionen mit hohem Einkommen der Bürger, gibt es einen regelrechten Privatschulboom. Warum ist das so und welche Folgen kann das für das gesamte Schulwesen haben?

In Potsdam besucht jeder fünfte Schüler eine Privatschule, Tendenz steigend. Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwa sieben Prozent, fünf sind es im Brandenburger Land.
Die Ursachen für den Potsdamer Privatschulboom sind vielfältig. Zum einen galt es viel nachzuholen; ein Drittel der neuen Schulen werden von den Kirchen unterhalten, die es sich viel kosten ließen, um die Lücke im Osten zu schließen. Dass die Stadt viele junge Familien anzieht, denen die Bildung ihrer Kinder am Herzen liegt, ist gewiss kein Grund. Doch so hat man es sich im sozialdemokratisch geführten Rathaus zurechtgelegt, das dieser Schicht eigentlich ordentliche öffentliche Schulen anzubieten hätte. Die werden stattdessen geschlossen, wenn sinkende Schülerzahlen sie vermeintlich unrentabel machen; unrentabel nach Richtlinien des Staates.

Eine Privatschule kann man nicht einfach schließen, weder aus fiskalischen Gründen noch mit Verweis auf die demographische Wende. Denn die hat auch Potsdam nicht verschont. Und so schrumpfte das Bildungsangebot des Staates, das der Privaten wuchs, weil sie blieben.

Das Privatschulwesen hat in Deutschland eine gute Tradition, als Ergänzung und als gesunde Konkurrenz zum staatlichen. Inzwischen aber profitiert es vor allem von der Phantasielosigkeit des Staates und den Mängeln der Öffentlichen, die keine glaubwürdigen Verteidiger haben. Weder bei den Konservativen, schon gar nicht bei den Sozialdemokraten, die ihre eigenen Ideale - wie man etwa den „Aufstieg der Begabten“ fördert - vergessen haben. Alle schauen zu, wie ein Konsens aufgekündigt wird, der mehr als zweihundert Jahre lang hielt und einst weltweit Nachahmer fand: dass die Schulen zuvörderst Veranstaltungen des Staates sind, der dafür zu sorgen hat, dass jeder nach seinen Fähigkeiten „nützliche Kenntnisse“ erwirbt. So stand es schon im achtzehnten Jahrhundert im Preußischen Landrecht, daran haben sich bisher alle folgenden Verfassungen orientiert. Und die Mittelschicht.

Wenn es so geht wie in Potsdam, werden wir keinesfalls finnische, eher amerikanische oder britische Verhältnisse bekommen. Dann zählt nicht mehr, was man kann, sondern wo man das, was man kann, gelernt hat. Staatliche Schulen aber, zu Konfliktlösern degradiert, werden in den Ruf geraten, dass man sie seinem Kind lieber erspart.
Quelle: FAZ

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

Counter

Besucher:3033371
Heute:88
Online:1

Nachrichten

06.05.2021 09:33 Für starke Betriebsräte
Heute behandelt der Deutsche Bundestag das Betriebsrätemodernisierungsgesetz in erster Lesung. Mit dem Gesetz soll die Gründung von Betriebsräten einfacher und sicherer werden. Mitarbeitende, die einen Betriebsrat gründen wollen, werden früher geschützt. Mitbestimmungsrechte werden ausgeweitet und digitale Betriebsratsarbeit geregelt. „Wenn Beschäftigte sich zusammenschließen, einen Betriebsrat gründen und durch Tarifverträge geschützt sind, meistern sie Strukturveränderungen und Krisen

02.05.2021 21:55 Gefährdung der Pressefreiheit geht auch auf das Konto der AfD
Zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai zeigen sich die stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Dirk Wiese und Katja Mast beunruhigt über zunehmde Gewalt gegen Medienschaffende. Dirk Wiese, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion: „Die Pressefreiheit in Deutschland ist ein hohes und schützenswertes Gut. Deshalb ist sie auch im Grundgesetz verankert. Übergriffe auf Journalisten sind in keiner Weise akzeptabel. Die zunehmende

02.05.2021 17:32 Für schnelle Umsetzung des Pflege-Tariftreue-Gesetzes
Die SPD-Fraktionsvizinnen Bärbel Bas und Katja Mast wollen ein Pflege-Tariftreue-Gesetz: Pflegeeinrichtungen müssen Beschäftigte tariflich oder nach kirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien entlohnen. Bärbel Bas, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion: „Pflegekräfte in Deutschland leisten tagein tagaus Großartiges – das gilt noch viel mehr seit Beginn der Corona-Pandemie. Es wird höchste Zeit, dass diese wertvolle Arbeit auch finanziell stärker gewürdigt wird. Die Initiative von Olaf Scholz und

Ein Service von websozis.info

Tröge und Schweine

"Wo die Tröge sind - da sind auch die Schweine!"

(Alter Volksmund)

Herbert Wehner

"Immer wieder haben wir in der deutschen Geschichte die normative Kraft des Faktischen erlebt, noch nie aber eine die Fakten ersetzende Kraft des Phraseologischen!"

Philosophie der Läufer

Pain is temporary - pride is forever!

Albert Einstein - Dummheit

Zwei Dinge sind unendlich - das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Optimistische Menschen

Wo ein Begeisterter steht ist der Gipfel der Welt!

Joseph von Eichendorff

Banner-Websozis

Soziserver - Webhosting von Sozis für Sozis WebSozis

Otto Wels - 1933

"Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!"

Abraham Lincoln

Man kann einige Menschen die ganz Zeit zum Narren halten
und alle Menschen einige Zeit, aber man kann nicht alle Menschen
die ganze Zeit zum Narren halten.

Revolution-Bayern

Na mach´ma halt a Revolution, dass endli wiada a Rua is!---Bayern 1918