Ifo-Präsident Sinn: Zu viel Kapital aus Deutschland in Euro-Länder geflossen

Veröffentlicht am 30.11.2010 in Wirtschaft

In den vergangenen zehn Jahren sind zwei Drittel der deutschen Ersparnisse ins Ausland geflossen und wurden dort angelegt. Nur ein Drittel ist hierzulande in Fabriken, Maschinen, Schulen oder Straßen investiert worden.

Die Banken haben unsere Ersparnisse der inländischen Verwendung für neue Arbeitsplätze entzogen und nehmen uns jetzt in Geiselhaft, weil ihre Kunden nicht zurückzahlen. Wenn wir nicht bürgen, heißt es, bricht die Welt zusammen (…)
Es wird immer von 130 Milliarden Euro geredet; so hoch seien die Forderungen der deutschen Banken, die angeblich gefährdet sind. Davon sind aber 100 Milliarden Euro Forderungen der Banken gegenüber ihren eigenen Zweckgesellschaften, die in Irland sitzen. Die haben ihr Geld in der weiten Welt investiert und mit den irischen Problemen gar nichts zu tun…
Wegen der Kapitalexporte befand sich Deutschland in den vergangenen Jahren in einer so langen Flaute. Viele denken, wir seien die Gewinner des Euro. Das stimmt leider überhaupt nicht. Deutschland kam durch die gewaltigen Kapitalverluste in eine Stagnation, die vor allem den Lohnbeziehern Opfer abverlangt hat und die Gesellschaft in eine Krise hineintrieb.
Quelle: Welt Online

Anmerkung WL: Wo Sinn Recht hat, hat er Recht. Er sollte sich nur einmal die Frage stellen, warum in Deutschland so viel Kapital gebildet werden konnte, das in die Euro-Länder abfließen konnte. Die Ersparnisse haben gewiss nicht die normalen Arbeitnehmer gebildet, es waren überwiegend die Gewinne, die durch Lohndumping und Steuersenkungswahn ins Ausland abgeflossen sind und hier für die Binnennachfrage gefehlt haben.
Aber auf diese Frage kann jemand nicht kommen, in dessen ökonomischem Weltbild die Nachfrage der privaten Konsumenten (also der Masse der Arbeitnehmer) keinerlei Rolle spielt, und die Unternehmen alles in der Wirtschaft alleine machen: konsumieren, investieren und exportieren. Doof nur wenn sie nicht bei uns investieren und konsumieren, dann haben wir halt hier eine Flaute.

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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