Hebammen oder Großbanken - wer ist "systemrelevant"?

Veröffentlicht am 06.05.2010 in Gesundheit

Ihre Versicherungsprämien haben sich in den vergangenen Jahren verzwanzigfacht, die Gehälter blieben gleich: Jetzt gehen die selbständigen Hebammen auf die Straße. Sie fürchten, sich ihren Beruf bald nicht mehr leisten zu können.
Das Geld bekommen in unserem Land die Großbanken - Hebammen sind eben nicht "systemrelevant"! Das ist die Traurige Wirklichkeit - wie lange lassen sich die Bürger diese "alternativlosen Entscheidungen" - so Merkel - noch bieten?

Nur noch jede vierte der rund 15.000 freiberuflichen Hebammen in Deutschland bietet die Geburtsbegleitung zu Hause, in Geburtshäusern oder Belegkrankenhäusern an. Alle anderen beschränken sich inzwischen auf Geburtsvorbereitungskurse und Wochenbettbetreuung.

Zum 1. Juli könnte die Zahl der Frauen, die die eigentliche Hauptaufgabe des Hebammenstandes bewältigen, noch weiter schrumpfen. Dann nämlich steigen die Haftpflichtprämien für diese Hebammen von bisher 2370 auf 3689 Euro. Im Verlauf der vergangenen 18 Jahre haben die Prämien sich damit verzwanzigfacht.

Die Vergütung der Geburten bleibt allerdings seit Jahren gleich: So zahlen die Kassen für die Betreuung einer Geburt im Krankenhaus 237 Euro, inklusive acht Stunden vor der Geburt und drei Stunden danach. Für ihren Einsatz im Geburtshaus bekommen die Hebammen 445 Euro, für eine Hausgeburt werden 537 Euro fällig.

"13 Stunden im Einsatz"

"Bei einer Hausgeburt bin ich insgesamt mindestens 13 Stunden im Einsatz", erzählt Runte, "oft dauert es aber noch länger. Mit der Vergütung der Krankenkassen für meine Leistungen vom Beratungsgespräch über Schwangerenvorsorge und Geburt bis hin zur Wochenbettbetreuung komme ich nach Abzug aller Kosten auf einen Stundenlohn von 7,50."
spiegel.online - 6.5.2010

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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