Gesellschaft als Geisel der Finanzinstitute

Veröffentlicht am 06.12.2010 in Europa

Die Bürger haben sich fast schon daran gewöhnt, von den Finanzinstituten erpresst zu werden. Eine Gegenleistung für die Sozialisierung von Verlusten wird schon gar nicht mehr erfragt. Die Zeche für den Steuerzahler wird immer größer.

Die Spindoktoren der Banken haben ganze Arbeit geleistet. In Europa wird ein Staat nach dem anderen rausgepaukt, und jeder weiß, dass dies zur Absicherung des Finanzsektors geschieht. Dennoch ist eben jener Finanzsektor in der öffentlichen Diskussion aus der Schusslinie geraten. Dass diese Branche die Gesellschaft mittlerweile fast im Wochenrhythmus in Geiselhaft nimmt, ist das Normalste der Welt geworden. Kennzahlen der finanziellen US-Kapitalgesellschaften Eine Gegenleistung für die Sozialisierung von Verlusten wird schon gar nicht mehr erfragt. Erwarten darf, nein: muss man allerdings, dass den Banken Kapitalanforderungen gesetzt werden, die weit über die läppischen neuen Kernkapitalvorschriften hinausgehen, die teilweise nur Bruchteile der Bilanzen berühren. Ziel muss es sein, den Sektor so stark zu kapitalisieren, dass er kaum noch aus der Bahn geworfen werden kann. Erst dann wäre er der Möglichkeit der Erpressung beraubt. Ein von 20 Professoren gezeichneter Leserbrief in der FT vom 9. November, der eine Eigenkapitalquote von 15 (!) Prozent auf alle (!) Bankaktiva fordert, weist in die richtige Richtung. Misstrauen gegen Euro-Sorgenkinder Kapitalmarkt lässt Portugal bluten

Nur denken die Finanzinstitute gar nicht daran, die Gesellschaft aus der Geiselhaft zu entlassen. Trotz üppiger Gehälter wird allein den im MSCI Europa enthaltenen Finanzwerten 2010 ein Nachsteuergewinn von 130 Mrd. Dollar prognostiziert, von denen 53 Mrd. Dollar ausgeschüttet werden sollen. Für die Entlastung der Peripherieländer per Umschuldung ist indessen kein Geld da.
Oder werfen wir einen Blick nach Amerika. Dort lag die inländische Gehaltssumme der finanziellen Kapitalgesellschaften im dritten Quartal um 184 Prozent über dem Stand von vor 20 Jahren. Der Nachsteuergewinn hat sich gut versechsfacht. Und was machen die Finanzinstitute? Jammern über ein paar kleine neue Regeln, über lächerliche Bonussteuern und Bankenabgaben, über Gehaltsvorschriften bei verstaatlichten Instituten oder über Verluste bei nachrangigen (!) Anleihen. Und über das unverfrorene Ansinnen der Politik, das Finanzwesen für seine Risiken haften zu lassen. Die Politik ihrerseits knickt dauernd ein und redet sich damit heraus, dass eine angemessene Regulierung international nicht zu koordinieren sei. Der Bürger zahlt die Zeche, eine Zeche, die in diesem Regime nur größer werden kann. FT-1.12.2010

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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