Finanzkrise: Verschleiern und Täuschen

Veröffentlicht am 19.08.2009 in Regionalpolitik

Der Fall von Lehman Brothers war Folge der Finanzmarktkrise und keineswegs dessen Ursache.Banker und Regierungsvertreter reden beispielsweise gern vom unverhofften, plötzlichen Happening der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die zu ganz außergewöhnlichen Verwerfungen am Finanzmarkt geführt habe. Wer so redet, hat ein Interesse daran, die tieferen Ursachen der Krise zu verschleiern.

Wahrheit unerwünscht
Der Fall von Lehman Brothers war Folge der Finanzmarktkrise und keineswegs dessen Ursache.Banker und Regierungsvertreter reden beispielsweise gern vom unverhofften, plötzlichen Happening der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die zu ganz außergewöhnlichen Verwerfungen am Finanzmarkt geführt habe. Wer so redet, hat ein Interesse daran, die tieferen Ursachen der Krise zu verschleiern.

Denn sonderbarerweise war die Erkenntnis oder zumindest die Ahnung weit verbreitet, dass es zu einem Crash im Finanzsystem kommen müsse, gerade unter denen, die sich am Finanzmarkt tummelten. Aber sollten sie laut “Feuer” rufen und damit die Party, von der sie profitierten, vorschnell beenden? Natürlich nicht.

Noch entschiedener wird die Realität von jenen verdrängt, die in Hierarchien weiter oben angesiedelt sind oder gar regulatorische Entscheidungsbefugnis haben. Sie haben die riesige Spekulationswelle verniedlicht, die erkennbare Instabilität des weltweiten Finanzgebäudes geleugnet und die unglaublich hohe Profitabilität des Finanzsektors für ein Zeichen von Gesundheit, nicht von unhaltbaren Zuständen gehalten.

(…) Die Ökonomen, Aufseher und Banker (hatten und haben) ein Interesse daran…, die Wahrheit nicht zu erkennen, oder, wo sich das nicht vermeiden lässt, sie zu verschweigen oder wenigstens zu verniedlichen.

Leider hat sich in den beiden Jahren der Finanzkrise daran nichts geändert. Weder haben die Profiteure des Finanzsystems und ihre Regulatoren schuldbewusst den Rückzug angetreten. Noch hat die Politik trotz großer Regulierungsrhetorik Schritte eingeleitet, um den Finanzsektor zu verkleinern oder auch nur zu bändigen. Vielmehr gilt es als vornehmstes Ziel, die schwachen Banken wieder aufzupäppeln, damit sie endlich wieder Kredite vergeben.
Quelle: FTD

Anmerkung WL: Entscheidend dafür, dass die Wahrheit unter der Decke gehalten wurde, ja dass im Gegenteil das Finanzsystem von Bankern, Wissenschaftlern, Medien und der Politik als vorbildlich und effizient gelobt wurde ist, dass alle direkt oder indirekt davon bestens lebte. Der Finanzsektor hatte alle an seiner Leine. Das ist und bleibt das eigentliche „systemische“ Risiko.

Experten erwarten zweite Bankenkrise
Gerade erholen sich die Geldinstitute, da droht eine neue Runde im Überlebenskampf: Die Folgen der Firmeninsolvenzen belasten laut Ökonomen nun mit voller Wucht Sparkassen und Volksbanken. “Die Krise der Mittelständler, die sich bei Banken Kredite geliehen haben, schlägt jetzt vor allem auf die Sparkassen und Volksbanken durch”, sagte Professor Rudolf Hickel vom Bremer Institut Arbeit und Wirtschaft.

Zuvor hatte bereits Bundesbank-Präsident Axel Weber vor weiteren Problemen durch Kreditausfälle infolge von mehr Pleiten bei Firmen und Privatleuten gewarnt. Die deutschen Banken und Sparkassen seien noch nicht über den Berg.
Quelle: FTD

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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