Faule Kredite – Banken kassieren ihre Retter ab

Veröffentlicht am 14.10.2014 in Wirtschaft

Die EZB will in den Banken aufräumen. Damit beauftragt sie ausgerechnet Banken. Diese könnten aus der Rettungsaktion ein großes Geschäft machen – zu ihren Gunsten.

 

Wiederholt sich die Geschichte? Als Amerika in den dramatischen Wochen der Finanzkrise seine Banken retten musste, da gab es ein seltsames Phänomen: Der Staat, der auf einmal zum übermächtigen Retter geworden war, brauchte ausgerechnet die Konstrukteure von all den komplexen Schrottpapieren, um die Strukturen wieder entwirren zu können. Die Mitarbeiter der staatlichen Behörden hätten das einfach nicht geschafft. Die Investmentbanker aber machten die Rettung der eigenen Branche aus der selbstverschuldeten Krise zu einem gewaltigen Geschäft.
In Europa passiert gerade etwas Ähnliches. Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, steht kurz vor dem Beginn seines nächsten spektakulären Programms. Damit die Banken wieder mehr Spielraum für neue Kredite haben, will er ihnen Wertpapiere abkaufen, die „ABS“ heißen („Asset Backed Securities“) – zu Deutsch „forderungsbesicherte Wertpapiere“. Die Banken können damit alte Kredite für Häuser, Autos oder Maschinen gebündelt an die EZB weitergeben. Die Idee dahinter: Wenn die Banken alte Risiken loswerden, können sie mutiger neue Kredite vergeben. Das soll die Wirtschaft ankurbeln.
Die Banken profitieren von diesem Programm also doppelt. Auf der einen Seite werden sie von der Notenbank entlastet. Sie nimmt ihnen einen Teil der Risiken, die sie sonst nicht losgeworden wären. Auf der anderen Seite verdienen sie daran, dass sie den Kauf für die Notenbank abwickeln – natürlich gegen Honorar. Ganz schön unverfroren.
Quelle: FAZ

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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