Ende einer Lebenslüge

Veröffentlicht am 23.01.2016 in Presse

Fluchtbiografien wurden teils über zwei Generationen vererbt, die Welt hat die zugegebenermaßen extrem schwierige Aufgabe nicht gemeistert, den Millionen Menschen, die in gigantischen Lagern leben, eine Perspektive zu geben. In vielen Fällen haben sie nicht mal ausreichend zu essen.

Busbahnhof Belgrad, September 2015: Tausende Flüchtlinge haben sich auf dem Platz in der serbischen Hauptstadt eingefunden, um weiter Richtung Westen zu fahren. Unter ihnen Khaled: Er sei Palästinenser, erzählt er, sein Großvater sei 1948 bei der Gründung des Staates Israel nach Jordanien geflohen. Und er, der Enkel, fliehe jetzt aus Jordanien nach Europa, wenn’s geht, nach Deutschland.
Man könnte Khaled Geschichte auch anders erzählen – als Geschichte des fortgesetzten Versagens und Wegsehens der Weltgemeinschaft: Über 60 Jahre hätte die Welt Zeit gehabt, die Probleme von Khaled und Millionen anderer Palästinenser zu lösen. Nicht anders in Afghanistan, wo seit über 30 Jahren Krieg herrscht, oder in Syrien, Eritrea, Somalia…
Fluchtbiografien wurden teils über zwei Generationen vererbt, die Welt hat die zugegebenermaßen extrem schwierige Aufgabe nicht gemeistert, den Millionen Menschen, die in gigantischen Lagern leben, eine Perspektive zu geben. In vielen Fällen haben sie nicht mal ausreichend zu essen.
Quelle: Nürnberger Nachrichten

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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