Ein bisschen Krieg

Veröffentlicht am 19.04.2017 in Presse

Eben galt Donald Trump der Hälfte der Menschheit noch als wirre Witzfigur im Weißen Haus. Jetzt genießt er plötzlich die Anerkennung des sogenannten liberalen Establishments. Warum? Weil er Bomben geworfen hat.

Wenn Trump klug ist, lernt er daraus – und wirft noch mehr Bomben. Da müssen sich dann künftig weder unsere Kommentatoren noch unsere Politiker wundern, wenn die Welt immer mehr dem Krieg verfällt.
Sie sorgen ja dafür, dass es immer noch der Krieg ist, der den Mann zum Mann macht.
Ist das jetzt die große Versöhnung? Es sieht tatsächlich so aus, als hätten Donald Trump und die sogenannte liberale Öffentlichkeit zueinander gefunden. Es brauchte nur 59 „Tomahawks“ – das ist irgendeine beschissene Waffe aus dem unendlichen Arsenal beschissener amerikanischer Waffen – und selbst Trumps schärfste Kritiker konnten sich vor Begeisterung plötzlich nicht mehr halten.
Der SPIEGEL lobt: „Donald Trump hat es richtig gemacht.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ stellt plötzlich fest: Man müsse „Trump zumindest zugestehen, dass sein Instinkt stimmt“. Und die „New York Times“ feiert Trump für seinen Angriff auf Syrien: „Trumps Herz kam zuerst“, schrieb die Zeitung in einer später dann doch noch abgeänderten Überschrift. Sie rief „eine Wende in seiner Präsidentschaft“ aus. Zur Erinnerung: Das ist Trumps „Fake News ‚NYT‘, very sad!“-„New York Times“.
Quelle: Spiegel Online

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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