Die Herrschaft der Superreichen

Veröffentlicht am 24.12.2016 in Soziales

Im vergangenen Januar veröffentlichte die Hilfsorganisation Oxfam eine verblüffende Statistik: Demnach verfügen die 62 reichsten Erdenbürger über ein Finanzvermögen von 1,76 Billionen Dollar. Das sei, berichtete Oxfam, so viel wie die ganze ärmere Hälfte der Menschheit besitzt, also mehr als 3,6 Milliarden Menschen.

Wie schon in den Jahren zuvor erzeugte diese Aufstellung ein großes Rauschen in den Medien und rief zahlreiche Kritiker auf den Plan. Die Daten seien ungenau, die Berechnung sei falsch, schrieben sie, und überhaupt sei all das für das Wohlergehen der Menschen auch gar nicht relevant, hieß es allenthalben. Schließlich gehe die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, seit langem zurück. Nach ein paar Tagen verschwand das Thema dann auch wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung, gerade so, als handele es sich um ein Naturereignis, unangenehm, aber nicht wirklich wichtig.
Doch das ist ein dummer Irrtum. Denn ganz gleich, ob es nun 62 oder 80 oder 300 Milliardäre sind, die gemeinsam auf diese Summe kommen, unbestreitbar ist, dass seit rund drei Jahrzehnten eine Konzentration der Vermögen läuft, wie es sie in dieser Größenordnung noch nie gegeben hat. Und die daraus resultierende extreme Ungleichverteilung ist inzwischen das größte politische Problem unserer Zeit.
Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik

 

Anmerkung unseres Lesers B.E.: Harald Schumann beschreibt den unerträglichen Zustand der ominösen Vernetzung zwischen Reichtum und politischer Machtausübung und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Wandel, den wir derzeit erleben müssen. Die aufgezeigten Möglichkeiten zur demokratischen Gegenwehr sind bescheiden. Aber einen Aspekt möchte ich hinzufügen. Im nächsten Jahr sind Bundestagswahlen. Schon heute zeichnet sich ab, welche ‚Wahlkampfthemen‘ die ‚Volksparteien‘ sich verordnen und welche aus dem Wahlkampf herausgehalten werden sollen. Die Festlegung dieser Themen sollte aber beim Volke liegen. Gerade zu einer Auseinandersetzung mit den unbequemen Themen sollten die Parteien durch ständigen Druck der breiten Öffentlichkeit gedrängt werden.

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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