Die Erntesklavinnen Europas

Veröffentlicht am 30.10.2018 in Soziales

Sexuell belästigt, beleidigt und vergewaltigt: Erntehelferinnen in Europa werden für ihre harte Arbeit auf Obst- und Gemüse-Plantagen nicht nur schlecht bezahlt. Die für die Übergriffe und Taten Verantwortlichen kommen meist ungestraft davon.

Kalima ist Erdbeerpflückerin im spanischen Huelva und ist gerade von der Farm geflohen, auf der sie arbeitet. Wir sitzen im Auto, mit dabei eine Anwältin. Es ist Anfang Mai 2017. Ihr Vorarbeiter, sagt Kalima, habe sie und ihre Arbeitskolleginnen mehrfach vergewaltigt, seit sie vor zwei Monaten aus Marokko nach Spanien gekommen ist. Jetzt will sie ihn anzeigen. Damit ist sie eine der ganz wenigen Frauen, die sich das trauen. Die meisten haben zu große Angst davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.
Am Vortag war Kalima bereits im Krankenhaus. Bei der Untersuchung weint sie vor Schmerzen. In ihrem Bericht notieren die Gynäkologin und der Gerichtsmediziner sexuelle Aggression als Grund für Kalimas Verletzungen. Aber die Ärzte sagen ihr auch: Ohne einen Beweis, etwa eine Spermaprobe, sei es sehr schwer, ihren Vorgesetzten juristisch zu belangen.
Um Frauen wie Kalima zu finden, sind wir wochenlang durch die Erdbeerplantagen gefahren. Sind immer wieder ausgestiegen, durch kleine Feldwege gelaufen auf der Suche nach Unterkünften für die Arbeiterinnen. Keine der lokalen Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen wollte uns helfen oder uns Informationen geben. Sexuelle Gewalt sei kein Problem auf den Feldern, heißt es immer wieder. Tagelang haben wir das Gefühl, einem Gespenst hinterherzujagen.
Quelle: Deutschlandfunk Kultur

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

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Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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