Deutschland – ein Land mit viel Arbeit, aber ohne Arbeiter!

Veröffentlicht am 27.06.2012 in Bildung

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
brauchen Sie derzeit Handwerker? Dann wünsche ich viel Glück und wohlwollende Handwerksmeister, um Ihre Wünsche zu befrieden. Derzeit „brummt die Wirtschaft“, die Unternehmen sind eingedeckt mit Aufträgen und die Arbeitslosenquote bei uns liegt bei erfreulichen 1,7 Prozent. – Großartig!?

Doch der oberflächliche Schein der Betrachtung trügt gewaltig, denn das Handwerk steht bereits heute – und mehr noch in der Zukunft – vor einem gewaltigen Problem: Maurer, Betonbauer, Dachdecker, Zimmerer, Schlosser, Schweißer, Fliesenleger, Elektroinstallateure werden zunehmend zu Mangelberufen. Die Handwerksbetriebe finden kaum Nachwuchs, so dass die Aufträge nicht abgearbeitet werden können und darüber hinaus besteht die reale Gefahr, dass auch die gewohnt hohe Qualität auch bei uns nicht gehalten werden kann. In den Städten ist das bereits so.

Ziel der Bildungspolitik sowie der üblichen Schwätzer in den Medien ist es, die Quote der Hochschulabsolventen noch weiter zu steigern. Die EU fordert tatsächlich für alle möglichen Berufe höchste Qualifikationen bis hin zu Hochschulabschlüssen. Wollen Sie sich von einem „Master of Art“ die Haare schneiden lassen bzw. einen Kanalanschluss legen lassen oder doch lieber von einem gestandenen Handwerker? Tatsächlich erleben wir aktuell wahrscheinlich eine gigantische Fehlsteuerung in der Bildungspolitik durch immer mehr Akademiker und immer weniger Handwerker.

Viele Kinder werden zu bedauernswerten Opfern dieser Ziele, da ihre Eltern verständlicherweise höchste Bildungsabschlüsse erhoffen nach dem Motto „Meine Kinder sollen es einmal besser haben!“
Ergebnis dieser Entwicklung ist und wird sein, dass es viele Theoretiker und Schlaumeier gibt, aber immer weniger handfest arbeitende Mitmenschen im Handwerk.

Ich persönlich habe größten Respekt vor unseren Handwerksmeistern und deren Mitarbeitern, die täglich hart arbeiten und daher in der Regel auch sehr erfolgreich sind. Ein tüchtiger Handwerker ist genauso wichtig und wertvoll – als Mensch und als Werte schaffender Bürger – wie der Absolvent einer Hochschule! Ingenieure, Lehrer, Betriebswirte, Software-Entwicklung etc. sind für die Innovationsfähigkeit unserer Volkswirtschaft zweifellos sehr wichtig und müssen gut honoriert werden – Handwerker aber selbstverständlich auch!

Man sollte sich auch öfter betrachten, was an unseren Grund- und Mittelschulen positiv geleistet wird, um unsere Jugendlichen auf ihr anspruchsvolles Leben vorzubereiten. Das wird aber nicht ausreichen. Vielmehr müssen wir alle ein besseres Klima und Image herstellen für die Tätigkeiten und Menschen im Handwerk – einschließlich einer angemessenen Entlohnung!
Ich nutze die Gelegenheit, unseren bei jeder Witterungslage körperlich und geistig hart arbeitenden Mitbürgern im Handwerk sowie in der Pflege meinen Dank und Respekt auszudrücken.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
nach der Sommersonnwende ist die erste Hälfte des Jahres bereits wieder vorbei! Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, sonnigen Juli – wir brauchen aber auch dringend Regen.
Unseren Kinder will ich zurufen: „Nur noch vier Wochen durchhalten, dann ist das Schuljahr bewältigt und es kann die schönes Jahreszeit für Schüler und Lehrer anbrechen – die laaaaaangen Sommerferien!“

Ihr

Helmut J. Himmler

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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