Der Commerzbank-Skandal oder - welche Trottel regieren uns?

Veröffentlicht am 19.08.2010 in Presse

Für ein Viertel der Commerzbank-Aktien zahlte der Bund vor gut anderthalb Jahren 1,8 Milliarden Euro. Zwei Jahre nach dem Beinahe-Crash der Finanzbranche herrscht in Berlin Planlosigkeit wie eh und je.

Das Gros der dringend benötigten Hilfe floss in Form einer stillen Einlage – 16,4 Milliarden Euro. Dafür ließ der Staat sich zwar neun Prozent Zinsen jährlich garantieren. Zahlen muss die Bank aber nur, wenn sie Gewinne macht. Macht sie bisher nicht – noch floss kein Cent zurück. Auch in diesem Jahr, da die Commerzbank längst gesundet, könnte sie dank legaler Bilanztricks kostenlos davonkommen. Ein Ärgernis, das Steuerzahler in Rage bringt.
Dabei sollte sich die Kritik nicht nur an der Bank entzünden, sondern auch an der Politik. Zwei Jahre nach dem Beinahe-Crash der Finanzbranche herrscht in Berlin Planlosigkeit wie eh und je. Das macht ausgerechnet Brüderles Vorstoß schonungslos deutlich. Es scheint, als habe der Minister allein sein Unbehagen ausdrücken wollen …
Im Finanzministerium schütteln die Beamten ohnehin den Kopf. Es habe keinen Sinn, das Geld zu einem bestimmten Termin zu fordern – die wirtschaftliche Lage der Commerzbank sei entscheidend. Das heißt warten, warten, warten – und Brüderle einen alten Mann sein lassen, der sich gefällt in der Rolle als wirtschaftsliberales Gewissen der Nation.
Quelle: Focus Money

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
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