Das Scheitern der Riester-Rente

Veröffentlicht am 11.04.2015 in Senioren

In spätestens 15 Jahren droht eine massive Ausweitung von Altersarmut. Die Politik müsste dringend handeln. Doch die schwarz-rote Regierung wird nichts dagegen unternehmen. […] 

Der milliardenteure Vorsorgeplan geht nicht auf. Um die sinkenden Renten im Alter auszugleichen, müssten alle Beschäftigten vier Prozent ihres Gehalts in einen Riester-Vertrag stecken, der sich bei zehnprozentigen Verwaltungskosten Jahr für Jahr mit vier Prozent verzinst. So unterstellt es die Bundesregierung kurzerhand in ihrem Rentenversicherungsbericht. Eine Utopie. Tatsächlich dümpelt der Garantiezins bei 1,25 Prozent, die Kostenquote beträgt oft zwölf bis 15 Prozent, und von den 34 Millionen künftigen Rentner zahlen nur 6,4 Millionen die vollen vier Prozent in einen Riester-Vertrag ein. Zwar haben in den alten Bundesländern viele ältere männliche Beschäftigte in der Industrie oder dem Bankgewerbe noch eine Betriebsrente. Doch laut einer ministeriellen Studie wird ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten künftig alleine auf die schrumpfende gesetzliche Rente angewiesen sein.
Quelle: Berliner Zeitung

 

Anmerkung André Tautenhahn: Was für ein Dilemma für den Autor: Die Bestandsaufnahme ist richtig, die Bewertung der Lösungsvorschläge mal wieder grundfalsch. Der Autor kann nicht glauben, dass die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung besser wäre, als ein abermals nur hübsch klingendes Produkt, das offenbar den Grünen vorschwebt. Ein „einfaches, kapitalgedecktes Basisprodukt zur Altersvorsorge unter öffentlich-rechtlicher Verwaltung“. Was soll das denn bitteschön sein? Und was wäre daran mutig? Die im Text gelobten schwedischen Pensionsfonds haben gerade in der Finanzkrise von 2008 enorm gelitten. Es bleibt dabei: Wer die Altersvorsorge aus inzwischen rein ideologischen Gründen zum Teil oder ganz über den Kapitalmarkt organisieren will, nimmt immer ein Ausfallrisiko in Kauf. Das gibt es bei der gesetzlichen Rente nicht. Dort muss die Politik ja extra Kürzungsfaktoren einbauen, um das auch in Krisenzeiten funktionierende Umlageverfahren als nicht mehr leistungsfähig erscheinen zu lassen.

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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