Blind gegen rechten Terrorismus

Veröffentlicht am 16.12.2008 in AntiFa/Migration

Fände man bei einem muslimischen Mitbürger auch nur einen Stadtplan, auf dem die Wohnung eines Polizeichefs mit einem Kreuz markiert wäre, das “Haltet den Terroristen” ertönte lautstark in der Republik. Von Innenminister Schäuble abwärts würden mehr Befugnisse für Polizei und Geheimdienste, ein Bundeswehreinsatz im Innern und der ganz große Horch- und Guck-Angriff gefordert. Wenn aber ein Neonazi

- und wer sonst sollte bei der Tat “Grüße vom Nationalen Widerstand” ausrichten? - einen Polizeichef an seiner Wohnungstür niedersticht, passiert nur das Übliche: Ein NPD-Verbot wird gefordert.
Mannichl wurde angriffen, weil er seinen Job tat. Anders als jener Polizeifunktionär aus Sachsen-Anhalt, der seinen Leuten sagte, sie müssten am rechten Rand nicht so genau hinsehen.
Anders als Beamte, die volksverhetzende Sprüche bei Demonstrationen gegen eine Moschee in Frankfurt ignorierten. Anders als Innenministerien, die Opferzahlen schönrechnen und rechte Gewalt kleinreden. Anders als jene Politiker, die zuletzt zum Jahrestag der Pogromnacht von 1938 mehr Anstrengungen gegen Antisemitismus ankündigten, aber immer noch nicht dafür gesorgt haben, dass eine vom Bundestag schon im Jahr 2000 beschlossene Beobachtungsstelle gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit auch eingerichtet wird. Die zulassen, dass Projekte wie die Aussteiger-Initiative “Exit” wegen Finanzierungslücken ihren Mitarbeitern kündigen müssen. Die nach Gewalttaten stets behaupten, gerade in ihrer Stadt gebe es nun gar keine rechte Szene - und das womöglich sogar glauben.

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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