Bildungsstipendien: Junge Talente werden gedemütigt

Veröffentlicht am 05.02.2011 in Bildung

Peinlich nur, dass gerade jetzt bekannt wird, dass sie den Leistungsanreiz für Bafög-Empfänger – den besten 30 Prozent wurde ein Teil ihrer Schulden erlassen – gestrichen hat.

21.Bildungsstipendien: Junge Talente werden gedemütigt
Jungen Menschen mit herausragenden Fähigkeiten muss der Rücken gestärkt werden“, hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan gesagt, als sie den Startschuss zu ihrem „Deutschlandstipendium“ gab. Seit langem ist das in der Kritik: weil auch Kinder wohlhabender Eltern es bekommen sollen, weil es den Unis wieder neue Arbeit aufhalst, weil allein Werbung und Verwaltung fünf Millionen Euro kosten. Schavan aber macht deutlich, dass Leistung etwas kosten darf. Peinlich nur, dass gerade jetzt bekannt wird, dass sie den Leistungsanreiz für Bafög-Empfänger – den besten 30 Prozent wurde ein Teil ihrer Schulden erlassen – gestrichen hat.
Die Sparsumme ist unbedeutend klein. Bedeutend ist der Vorgang vielmehr, weil Schavan damit symbolisches Kapital umverteilt. Dem Bafög-Empfänger wird das Leistungsprinzip genommen, damit nur noch „Deutschlandstipendiaten“ damit glänzen können. So wird „jungen Menschen mit herausragenden Fähigkeiten“ nicht „der Rücken gestärkt“. So werden sie gedemütigt.
Quelle: Tagespiegel

Dazu auch:

Deutschlandstipendium: Zum Start nur 1000 Stipendien
Zum Auftakt fiel das Geld vom Himmel. Im Audimax der Humboldt-Uni warfen Studierende selbst gestaltete 300-Euro-Scheine mit dem Bild von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) von der Empore. Dazu riefen sie: „Bafög für alle.“ Hundertfach flog die Kritik den Gästen der Auftaktveranstaltung zum „Deutschlandstipendium“ am Dienstag in den Schoß: Von dem Begabtenstipendium profitierten vor allem Studierende aus bildungsnahen Elternhäusern, erklären die Aktivisten. Die Beteiligung der Wirtschaft werde dazu führen, dass vorrangig wirtschaftsnahe Fächer gefördert werden.
Schavan berief sich auf die soziale Komponente des Programms. Es gehe nicht nur um die besten Studienleistungen, sondern darum, „interessante, engagierte junge Leute zu fördern, die ihre Möglichkeit zur Gestaltung der Gesellschaft wahrnehmen“. Die Hochschulen sollen bei der Auswahl neben guten Noten auch soziales Engagement oder „besondere familiäre Umstände“ wie einen Migrationshintergrund berücksichtigen. Doch das ist eine Kann-Bestimmung. Für ihren Anteil von 150 Euro monatlich pro Stipendium, für den sie zudem eine kräftige Steuerentlastung bekommen, haben Unternehmen ein gewichtiges Wort bei der Platzierung. Sie können bestimmen, in welchen Fächern ihre Stipendiaten studieren sollen. Die Telekom etwa, die 360 Stipendien stiftet, investiert in Mathematik, Informatik und Technik. Doch die Wirtschaft reagiert zurückhaltend. Das Ziel von 10.000 Stipendiaten bis zum Jahresende erscheint unrealistisch. Stipendien sagten am Dienstag zwar auch BASF (100) und Allianz (25) zu. Laut Stifterverband liegen derzeit aber erst rund 1000 feste Zusagen vor.
Quelle: Tagesspiegel

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

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Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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