„Auf der falschen Spur – Private Vorsorge ist kein Rezept gegen Altersarmut“

Veröffentlicht am 30.10.2016 in Senioren

Die Bundesregierung rät allen Ernstes zu mehr privater Vorsorge fürs Alter. Dabei spricht inzwischen dermaßen viel dagegen, dass man es für einen Anflug geistiger Umnachtung halten könnte – oder für einen Witz.

Unsere Volksvertreter ermahnen dazu, private Rentenversicherungen abzuschließen – obwohl hohe Gebühren die Renditen in den ersten Jahren oft komplett auffressen. Obwohl für die meisten Kunden am Ende eine mickrige bis gar keine Rendite herausspringen wird – bis hin zum Verlustgeschäft. Obwohl die Versicherer von unrealistisch hohen Lebenserwartungen ausgehen, was die Renten noch geringer ausfallen lässt. Und obwohl diejenigen, die eine Absicherung am nötigsten brauchen, oft kein Geld dafür übrig haben. Wahrscheinlich glaubt kein Experte in der Koalition tatsächlich noch, dass mehr Aufträge für die Versicherungsindustrie auch eine bessere Absicherung der künftigen Rentner bedeuten. Sie trauen sich nur nicht, ihre eigene politische Linie zu verlassen. In ihrem „Alterssicherungsbericht 2016“ kommt die Regierung zu der bahnbrechenden Erkenntnis, dass vor allem Geringverdiener, die nicht zusätzlich vorsorgen, in der Altersarmut landen werden. So viel ist gesunder Menschenverstand. Wichtiger ist, woran das liegt.
Quelle: Nürnberger Nachrichten

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

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