Antisemitismus als Marketing-Gag - von Michael Spreng

Veröffentlicht am 23.04.2018 in Bildung

Es gibt offenbar keine Widerwärtigkeit mehr, die den Opfern des Holocaust und ihren Nachkommen erspart bleibt. Die Verhöhnung ihrer Leiden wird zum künstlerischen Marketing-Gag, zur gezielten Provokation, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Nach dem Skandal um den antisemitischen Text der Rapper Farid Bang und Kollegah und ihre Auszeichnung mit dem „Echo“ nimmt jetzt der Kabarettist Sedar Somuncu am Überbietungswettbewerb antisemitischer Geschmacklosigkeiten teil. Er ist Regisseur einer Aufführung des Theaterstückes „Mein Kampf“ von George Tabori in Konstanz.

Die Premiere soll am höchsten Feiertag aller Nazis stattfinden, am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers. Besucher die eine Hakenkreuzbinde tragen, dürfen kostenlos zur Premiere, den zahlenden Gäste wird ein Davidstern empfohlen. Eine Idee des Theater-Intendanten Christoph Nix.
Wie gestört muss der Geist eines Menschen sein, um überhaupt auf eine solche abstoßende Idee zu kommen? Welcher Zeitgeist weht, wenn Künstler glauben, mit solchen Provokationen gesellschaftlich noch akzeptiert zu werden? Wird der Bruch des wichtigsten deutschen Tabus zum Rapper-Spaß, zum Theater-Jux?

Die Rapper, der Theater-Intendant und Somuncu sind wahrscheinlich keine bewussten Antisemiten, aber sie tragen dazu bei, das eine neue Stufe der Verrohung erreicht worden ist, wie Marius Müller-Westernhagen sagt. Sie wird geduldet oder sogar ausgezeichnet von einem Teil der Öffentlichkeit, der jede Sensibilität und jedes Geschichtsbewusstsein abhanden gekommen ist.

Es wird für Juden ohnehin immer gefährlicher, in Deutschland zu leben. Jüdische Kinder werden in der Schule gemobbt, Kippa-Träger in der Öffentlichkeit bespuckt und angegriffen. Juden trauen sich nicht mehr, ihre David-Sterne öffentlich zu tragen.

Eine unheilvolle Allianz aus deutschen Rechtsradikalen („Schluss mit dem Schuldkult“) und muslimischen Juden-Hassern bedroht den gesellschaftlichen Konsens, der Jahrzehnte lang in Deutschland galt: nie wieder Antisemitismus. Hoffentlich reicht der Rest-Konsens wenigstens noch so weit, dass die Konstanzer Premiere in dieser Form nicht stattfindet.

Aber selbst dann, wenn dies passiert: der Schaden ist nicht mehr zu reparieren. Judenhass, Geschmack- und Gedankenlosigkeit sind ein gefährliches Bündnis eingegangen, das Deutschland zum Schlechteren verändert.

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

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Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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