Ansprache von Botschafter Rüdiger von Fritsch aus Anlass des 75. Jahrestages des Endes der Schlacht von Stalingrad

Veröffentlicht am 03.03.2018 in Allgemein

"Wenn die Erwachsenen zu der Zeit, als meine Generation jung war, in Deutschland über den Krieg sprachen – und das war oft der Fall – dann gehörte zu den schrecklichsten Wörtern: „Stalingrad“. Jeder kannte jemanden oder war mit jemandem verwandt, der „in Stalingrad gewesen“ war."

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Veteranen, meine Damen und Herren,

Im Namen aller deutschen Gäste darf ich mich bei Ihnen, sehr geehrter Herr Bürgermeister, für die Einladung bedanken, an den Feierlichkeiten dieser Tage aus Anlass des 75. Jahrestages des Endes der Schlacht von Stalingrad teilzunehmen.

Wenn die Erwachsenen zu der Zeit, als meine Generation jung war, in Deutschland über den Krieg sprachen – und das war oft der Fall – dann gehörte zu den schrecklichsten Wörtern: „Stalingrad“.

Jeder kannte jemanden oder war mit jemandem verwandt, der „in Stalingrad gewesen“ war. Der „in Stalingrad geblieben" war. Der „in Stalingrad in Kriegsgefangenschaft geraten“ war. Und der in aller Regel von dort nicht zurückgekehrt war.

Stalingrad ist uns Deutschen zum Synonym geworden für den grauenhaften Schrecken des Zweiten Weltkriegs.

Und zugleich steht für uns Deutsche der Name „Stalingrad“ für den Angriff auf die Sowjetunion, für Besetzung, Vernichtung, Tötung, für unermessliches Leid, das Deutsche Millionen Menschen in der damaligen Sowjetunion zugefügt haben.

Vor allem aber verbindet sich für uns mit "Stalingrad" der Begriff der Hybris -  und des schrecklichen Abgrunds, in den uns diese gerissen hat.

Für Russland beziehungsweise für die Menschen und Völker der damaligen Sowjetunion verbindet sich „Stalingrad“ mit Angegriffensein, mit schrecklichen Verlusten, drohender Niederlage – und mit dem unbedingten Willen, sich dem Angriff zu widersetzen. Stalingrad verbindet sich mit dem erfolgreichen Widerstehen und mit heldenmütigem Opfergeist.

Dieser Haltung zolle ich meinen tiefen Respekt. Und vor den Opfern, die die Menschen der damaligen Sowjetunion gebracht haben, verneige ich mich in tiefer Trauer. Es waren Opfer auf dem Wege zur Befreiung Europas von der Diktatur.

Das Leid und der Schmerz leben fort, in der Erinnerung unser Familien und unserer Völker.

Doch jedes Volk gedenkt auf seine Weise – der eigenen Opfer, der eigenen Schmerzen, der eigenen Taten.

Und doch gedenken wir des gleichen Ereignisses. Wir gedenken in einer gemeinsamen Feier und spüren, wie uns aus der schrecklichsten aller Schlachten des schrecklichsten Krieges die gleiche Mahnung zugewachsen ist. Die Mahnung alles zu tun, dass sich solches nicht wiederholt. Und dass es dazu der Versöhnung bedarf.

Versöhnung bedarf der Erinnerung - auf Feiern wie dieser hier in Wolgograd und an Orten wie in Rossoschka, wo wir morgen der Toten gedenken werden. Auf dieser Anlage mit Gräbern deutscher und sowjetischer Soldaten steht seit einigen Monaten eine in ihrer Schlichtheit eindrucksvolle Friedenskapelle, die die beiden Friedhofsteile zusammenführt. In ihr kommt so deutlich zum Ausdruck was gemeint ist mit dem Satz: „Versöhnung über den Gräbern“.

Hier, auf dem Boden der Schlacht von Stalingrad wird uns deutlich: Deutsche und Russen haben eine besondere Verantwortung für den Frieden. Damit der Satz wahr bleiben kann: Больше никогда! "

Wolgograd,  2. Februar 2018

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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