Amok und Terror: Auch eine mediale Inszenierung

Veröffentlicht am 31.07.2016 in Presse

Ob Amok oder Terror, immer steckt dahinter auch eine mediale (Selbst-)Inszenierung. Die Selbstinszenierung der Täter läuft in Richtung „Unsterblichkeit“.

Beim Terror kann der Journalismus im Propagandaeffekt zum Komplizen werden. Das stellen der deutsche Kriminologe Frank J. Robertz und der Kommunikationswissenschafter Robert Kahr als Herausgeber einer umfassenden Darstellung zu diesem Thema fest.
Keine Frage, Aufsehen erregende Gewalttaten – die physische Gewalt ist das Verbindende zwischen Amok und Terror – sind kein „Zufall“. „Schulamokläufer und Terroristen sichern sich durch das kalkulierte Ausüben von Gewalt einen Platz in den Schlagzeilen der Presse. Sie folgen damit einer bewährten Kommunikationsstrategie, die menschenverachtend und gleichermaßen durchschaubar ist. Dieses Kalkül der Täter geht insbesondere dann auf, wenn Medien destruktive Botschaften der Täter ungefiltert weitertragen. Auf diese Weise verbreiten sie Angst in der Gesellschaft, belasten die Opfer und liefern im schlimmsten Fall eine Inspiration für Nachahmer“, stellten Robertz und Kahr (beide am Institut für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie/IGaK in Berlin) unmittelbar nach dem Amoklauf von München am vergangenen Wochenende fest.
Die Experten haben erst vor kurzem im Springer-Verlag den Sammelband „Die mediale Inszenierung von Amok und Terrorismus – Zur medienpsychologischen Wirkung des Journalismus bei exzessiver Gewalt“ herausgegeben. Die Experten in ihrer aktuellen Stellungnahme: „Trotz der professionellen Kommunikation seitens der Polizei München fallen im Kontext der Amoktat am 22. Juli 2016 zahlreiche problematische Vorgehensweisen von Journalisten auf.“
Der Wiener Sozialpsychiater Johannes Wancata (MedUni Wien/AKH) hat erst vor kurzem anlässlich einer Tagung der österreichischen Gerichtspsychiater gesagt: „Terrorismus ist eine Form der psychologischen Kriegsführung.“, betonte Wancata. Terrorakte zielten über das Leid der direkt Betroffenen hinaus und seien geplant, um die gesamte Gesellschaft zu treffen.
Quelle: Tiroler Tageszeitung

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

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