Abgeschoben ins Private

Veröffentlicht am 20.03.2010 in Senioren

Dass Kristina Schröder Familien bei der Pflege von Angehörigen stärker unterstützen will, ist richtig. Denn unsere Gesellschaft altert rapide und braucht deshalb mehr Generationensolidarität. Die Frage, wer Menschen im Alter pflegt, wird dabei immer wichtiger. Doch das Modell der Familienministerin, über das sie zurzeit mit Pflege- und Wirtschaftsverbänden debattiert, ist zu kurz gedacht.

Es geht am Alltag vieler Familien vorbei und verkennt die gesellschaftliche Realität. Kristina Schröder schlägt vor, Arbeitnehmer sollten für zwei Jahre ihre Arbeitszeit reduzieren dürfen, um Verwandte zu pflegen. Doch Angehörige, die Verwandte pflegen, kümmern sich im Schnitt acht Jahre lang um sie. Die Ministerin will die Pflege zu Hause erleichtern – aber viele ältere Menschen können aufgrund bestimmter Krankheiten gar nicht zu Hause betreut werden, selbst wenn ihre Familien das vielleicht wollten. Die meisten pflegenden Angehörigen sind außerdem über 50, sie leisten physisch und psychisch Schwerstarbeit. Häufig werden sie danach selbst zum Pflegefall.
Kristina Schröder möchte ein gesellschaftliches Problem durch mehr privaten Einsatz lösen. Besser aber wäre es, Heime und ambulante Pflegestationen, ja den gesamten Pflegebereich auszubauen und finanziell besser auszustatten. Alten- und Pflegeheime brauchen mehr Personal, das angemessen bezahlt wird und genügend Zeit zur Erholung bekommt.
Quelle: taz

 

Kurt Tucholsky 1890 - 1935

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann.
Das Gegenteil ist schon schwieriger.

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